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Wenig Motivation? Der falsche Ansatz!

Mit welchen Vorsätzen haben Sie das Jahr 2012 begonnen?  Welche Veränderungen haben Sie geplant? Und wie weit sind Sie mit der Umsetzung? Rund drei Viertel der Menschen lassen ihre (nicht nur) Neujahrs-Vorsätze nach kurzer Zeit wieder fallen. Hat ihre Motivation nachgelassen?  

„Machen Sie etwas, meine Leute brauchen wieder mal eine Motivationsspritze“, forderte mich vor kurzem der Geschäftsführer eines Unternehmens auf, in dem grosse Veränderungen anstehen. In meinen Augen sind seine Mitarbeitenden hoch motiviert – sie sehen den Sinn hinter der Veränderung, sie wissen, was zu tun ist und sie wollen es tun. Das Unternehmen hat viel in die Vorbereitung investiert. In der schriftlichen Form steht alles und alle sind nach einem gemeinsamen „Take off“ begeistert - eben, so richtig motiviert. Sie haben es in Vorträgen gehört und im anschliessenden Workshop auch einmal ausprobiert und wissen also nicht nur, was zu tun ist und warum, sondern auch, wie sie es tun können. Zu diesem Zeitpunkt sind also das Wissen, Wollen und Können vorhanden. Doch dann werden die veränderungswilligen Menschen alleine gelassen - in vielen Fällen holt sie dann der Alltag schnell wieder ein. Es verändert sich wenig. Die langfristige Umsetzung harzt – braucht es eine weitere Motivationsspritze?  

Der Weg vom Wollen zum Tun – Willensbahnung
Etwas Neues tun zu wollen, genügt nicht. Wissen, wie es geht und es einmal auszuprobieren, um es zu können, auch nicht. Wir müssen es tun und immer wieder tun, um es zu erleben und um Erfahrungen zu sammeln. Hier sollen wir uns der Erkenntnis der Motivationsforschung bedienen, welche zeigt, dass das Umsetzen schwieriger Absichten durch positive Erlebnisse gefördert wird. Dazu gibt es keine Geheimtipps – die Formel heisst: tun, tun und wieder tun. Erfahrungen und Bestätigungen sammeln, positive Gefühle auslösen. Der Weg vom Wollen zum Tun braucht ein kontinuierliches Training und das Anwenden des Gewollten. Je schwieriger oder je grundlegender die Veränderung ist, desto mehr müssen wir das neue Verhalten immer wieder praktizieren, um es zur Gewohnheit zu machen. Wissen und Wollen genügen nicht – das Tun ist notwendig – mit Beharrlichkeit und Ausdauer. Deswegen braucht es positive Erlebnisse, die uns eine Bestätigung liefern, dass wir es können und dass es sich lohnt, es zu tun. Wir brauchen also eine „Belohnung“ in Form von Freude und anderen positiven Gefühlen, wie Stolz oder Selbstbestätigung. Diese dienen uns als eine Energiequelle für die Willensbahnung. Mit anderen Worten, Menschen brauchen eine Spritze von innen, die sie sich durch das positive Erleben selbst verpassen und die dem Willen hilft, sich den Weg zu dem neuen Verhalten dauerhaft zu bahnen.

Die Umsetzung geschieht nicht von alleine
In allen Veränderungsprozessen ist es wichtig Menschen nicht nur zu motivieren, sondern ihre Willensbahnung zu stärken: Durch ein stetes Üben, welches den Beteiligten ermöglicht, positive Gefühle beim praktizieren von neuem Verhalten zu erleben und dadurch den Durchhaltewillen zu nähren. Das, was uns da weiter motiviert, ist der eigene Wunsch etwas zu tun, was uns dieses positive Erleben wieder verschafft. Nur wer auch konsequent in die Umsetzungsphase nach der Motivationsübung investiert, kann ein neues Verhalten nachhaltig verankern und sich auch über die Früchte des Einsatzes freuen.  

So geht es am besten
Menschen, welche sich Veränderungen in ihrem Verhalten oder ihrer Arbeitsweise vornehmen, brauchen einen klaren Umsetzungsplan und eine konsequente Begleitung beim Tun. Die Motivationsphase soll also sofort in die Tatphase übergehen. Es ist wichtig, dass die Beteiligten mit einer hohen Aufmerksamkeit  das neue Verhalten immer wieder im Alltag üben und dass sie sich die Erlebnisse und Fortschritte vergegenwärtigen. Dies geschieht am besten in Form der eignen Rückmeldung an sich selbst (Selbstaufmerksamkeit) und der Rückmeldung einer aussen stehenden Person (Coach, Trainer, Vorgesetzter oder Sparring Partner). Durch die aufmerksame Anwendung des neuen Verhaltens können Menschen die positiven Erlebnisse bewusst wahrnehmen und zur Stärkung der eigenen Willensbahnung nutzen. So kann man auch das Verhalten, welches nicht zum gewünschten Ergebnis führt, schnell erkennen und die Ursachen des Misserfolgs analysieren. Misserfolge zu verarbeiten ist ebenso wichtig, wie Erfolge zu nutzen. Negative Erlebnisse wie Angst, Wut oder Enttäuschung, müssen erkannt und ernst genommen werden. Im Gespräch mit dem Coach oder der vorgesetzten Person sollen diese negativen Gefühle angesprochen und herabreguliert werden. Menschen, die gelernt haben, ihre negativen Erlebnisse gänzlich zu verarbeiten, sind wieder bereit, Neues auszuprobieren, was wiederum ein positives Erlebnis ermöglicht.  

Das ständige Lernen
So bald wir ein neues Verhalten so lange geübt haben, bis es zu einem verankerten Bestandteil unseres Tuns wird, können wir uns einem weiteren Schritt auf dem Weg der Veränderung widmen. Wir beginnen auf einem höheren Niveau der Erkenntnis und laufen den Prozess von Motivation zum Tun wieder neu durch. Dabei stärken wir unseren Willen mit neuen positiven Erlebnissen und bahnen uns damit den Weg zu einer weiteren nachhaltigen Veränderung.

Ich wünsche Ihnen viele positive Erlebnisse bei der Umsetzung Ihrer Vorhaben.
Ihre Jitka Perina 

Bemerkung:
Mit den Themen des  bewussten Umgangs mit positiven und negativen Emotionen in der Führungsarbeit befasst sich vertieft das Seminar „Emotionen und Management“, welches am 19. April 2012 in Luzern stattfindet.    

Literatur zum Vertiefen:
Kuhl, Scheffer, Mikoleit, Strehlau: Persönlichkeit und Motivation im Unternehmen. Anwendung der PSI-Theorie in Personalauswahl und –entwicklung. Kohlhammer Verlag, 2010.
Martens, Jens-Uwe; Kuhl, Julius. Die Kunst der Selbstmotivierung. Neue Erkenntnisse der Motivationsforschung praktisch nutzen. Kohlhammer Verlag, 2009.
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